Es ist noch nicht lange her, dass ich begonnen habe mit Ton zu arbeiten – und mich innerhalb kürzester Zeit in dieses Material verliebt.
Was als Wunsch begann, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, entwickelte sich schnell zu einer tieferen Faszination. Ton verbindet uns mit etwas sehr Ursprünglichem. Seit Jahrtausenden formen Menschen Erde und Wasser zu Schalen, Tassen und Gefäßen – lange bevor Gestaltung ein Beruf war, gehörte Keramik bereits zum Alltag und zur Kultur des Menschen.
Mit Ton zu arbeiten bedeutet für mich, Teil dieser langen kulturellen Tradition zu sein. Der Prozess ist langsam, konzentriert und zutiefst haptisch. Er fordert Geduld und Präsenz. Sobald die Hände den Ton berühren, entsteht eine besondere Ruhe. Vielleicht, weil dieses Material den Menschen seit Jahrtausenden begleitet und unser Körper diese Erfahrung auf eine fast instinktive Weise wiedererkennt.
Was mich an Ton besonders fasziniert, ist seine Ehrlichkeit. Er vergisst nichts. Jede Berührung, jede Bewegung und jede Entscheidung hinterlässt ihre Spur und wird Teil des fertigen Objekts. Nichts lässt sich verstecken – und genau darin liegt seine Schönheit.
Bevor ich Keramik für mich entdeckte, habe ich Architektur studiert. Die Auseinandersetzung mit Proportionen, Struktur und Balance prägt bis heute meine gestalterische Haltung. Deshalb beginnt jedes meiner Stücke mit der Form. Glasuren und Oberflächen treten bewusst in den Hintergrund und unterstreichen lediglich das, was bereits im Objekt angelegt ist.
Ich fühle mich besonders von minimalistischer und brutalistischer Architektur angezogen – Gebäuden, die ihre Materialität offen zeigen und ihre Wirkung aus Proportion, Licht und Masse beziehen, anstatt aus Dekoration. Diese Denkweise versuche ich stets aufs Neue auf meine Keramik zu übertragen.
Jedes Objekt entsteht aus einer intensiven Auseinandersetzung mit Form. Manche Ideen beginnen als Skizze, andere entstehen ausschließlich im Kopf. Oft sind es nur wenige Millimeter, die darüber entscheiden, ob eine Silhouette Spannung erzeugt oder Ruhe ausstrahlt. Viele Entwürfe durchlaufen unzählige kleine Veränderungen, bevor sie ihre endgültige Gestalt finden und doch alle zu Unikaten werden.
So wächst nach und nach eine Kollektion architektonisch inspirierter Alltagsobjekte – Stücke, die nicht nur betrachtet, sondern benutzt werden möchten. Ich glaube daran, dass die Dinge, mit denen wir täglich leben, eine besondere Qualität besitzen dürfen.
Meine Arbeiten drängen sich nicht in den Vordergrund. Sie leben von ihrer Form, ihrer Materialität und ihren Proportionen. Leise Objekte, die einem Raum Charakter verleihen und mit der Zeit zu selbstverständlichen Begleitern im Alltag werden.